Einer der Gründe, warum ich noch immer quasi ausschließlich Hangflieger bin, war vor wohl bald 40 Jahren mein damaliger Nachbar Christoph, der mit einer ASW15b von Gewalt mit 4,28m Spannweite uns alle in Grund und Boden geflogen hat. In den Erinnerungen jedenfalls war es schier unglaublich und der vollkommene Wahnsinn, wie er es immer geschafft hatte, mit dem wunderschönen pipercubgelben Ding selbst bei übelsten thermischen Bedingungen die anderen am Hang zu Statisten werden zu lassen.... ....soweit die immer stärker verbleichenden Erinnerungen aus der Kindheit.
Irgendwann hab ich auch mal so ein schönes Flugzeug, dachte ich mir früher. Klar, die 15 war und ist für mich irgendwie immer, neben der Ka6cr, eines der formschönsten Segelflugzeuge gewesen, aber irgendwie hat es mit der 4,28er nie sollen sein. Bis jetzt, dachte ich zumindest... ...aber auch jetzt kam es wieder anders.
Ich bekam ein Angebot aus Österreich für eine Form einer 15, es solle die von Gewalt sein. Für mich war also nach Millisekunden klar, das Förmchen MUSS ich haben.
Das mit dem Versand war dann noch ein kleiner Krimi für sich, man könnte meinen, Österreich ist eine kleine Insel zwischen Neuseeland und Australien, zumindest was die Preisgestaltung und Komplexität beim Versand eines etwas größeren Paketes anbelangt, aber egal, irgendwann war sie dann da.
Schon beim Paket öffnen war irgendwas komisch. Ich hab in der Euphorie nicht geblickt was es war, aber irgendwas war. Daheim angekommen wurde mir langsam klar, was es war. Das Förmchen ist für eine a-Version. Also definitiv nicht ein abgeformter Gewalt-Rumpf, so wie es mir angeboten wurde.
Da ich aber einen uralten Gewalt-15er-Rumpf hier stehen habe, sogar wirklich genau den, dem ich als Kind mit offenem Mund beim Fliegen zusehen durfte, habe ich diesen kurzerhand in das Förmchen gelegt. Tja, nächster Dämpfer, oder vielleicht auch nicht, weil, wer hat schon ein 15er Förmchen mit 4,5m?
Nur einen großen Dämpfer gab's, als ich die Oberfläche inspiziert hatte. Schlieren ohne Ende von hekoliterweisem PVA-Geschmier am Urmodell und Löcher/Ausbrüche, wie ich sie noch nie gesehen habe. Zudem waren da unglaublich hässliche und riesige Hutzen für Seitenrudertaue eingearbeitet. Gut 2cm breit und tief, fast 1cm hoch... ...das Förmchen kam erstmal für ein paar Wochen in die Ecke.
Mittlerweile habe ich mich wieder fast beruhigt und motiviert von einigen Anfragen der Laminierkumpels, wann sie zum Bauen vorbeikommen dürften, habe ich dann also vor ein paar Tagen losgelegt mit der Restauration.
Zuerst mal habe ich mit einem kleinen Kugelkopffräser alle Lufteinschlüsse und Löcher aufgefräst. Diese dann mit einer Mischung aus 24h-Harz - Thixo - Alupulver gefüllt, trocknen lassen, mit einem Schleifaufsatz per Flexwelle bis fast "auf null" runtergeschliffen und dann mit 600er Nass mal grob begonnen dem PVA-Schlierenelend ein Ende zu setzen. ...nein, ich reg mich nicht schon wieder auf, ... nein....
Leider kamen da noch so viele Pinholes zwischen den PVA-Wellen zum Vorschein, dass ich mir nicht anders zu helfen wusste, als Harz mit einem kleinen Schwämmchen quasi einzumassieren und danach mit einem Tuch wieder abzuwischen. Die Oberfläche war zwar danach einfach wieder per 1200er nass in einem kleinen Durchgang glatt, aber die Löcher waren nicht perfekt gefüllt. Also nächste Idee testen. Bei den meisten Brillengläsern liegt eine kleine dünne und sehr flexible Kunsstoffkarte in Scheckkartenmaßen bei. Diese nutze ich immer beim Tragflächenlaminieren, und hiermit habe ich dann versucht, das Harz per in Formkuntur gedrückter Karte über/in die Löcher zu streichen. DAS war die Lösung. Funktionierte einwandfrei, die Oberfläche ist glatt. Logo, vorher habe ich alles mit Aceton ausgewaschen.
...und weiter ging es weiter mit der Nassschleiforgie. 1200er, 2000er...
Die erste Formhälfte ist mittlerweile soweit fertig, dass ich mit dem ersten Polierdurchgang loslegen kann.
So sieht es dann am Ende nach dem 2000er aus:
Gruß Christian
