bereits letztes Jahr habe ich mein zweites Exemplar meines CFK-Lieblingsleitwerkers "Energic Glider" wegen Servodefekt am gleichen Tag an dem dieses Video aufgenommen wurde sehr schwer beschädigt:
https://vimeo.com/211134792
Die Flächen sind an einigen Stellen ziemlich Matsch, die würden sich nur mit Reparaturschalen wieder halbwegs in Form bringen lassen...aber schön werden die sicher nicht mehr, deshalb hatte ich mir einige Zeit nach dem Bruch bei MG-Modellbau Ersatzflächen bestellt.
Die Leitwerke hatten nur ein paar kleine Kratzer, aber der Rumpf hatte einige Risse am Ende der Aufstecknase und auf einer Seite ungefähr auf Höhe der Flügelendleiste.
Für den Einschlag war wohl ein Kabelbruch an einem Höhenruderservo verantwortlich, aber die Baumlandung haben beide KST X08 nicht überlebt, deshalb lag es nahe den beschädigten Rumpf für die Reparatur komplett auszuräumen.
Damit kam ich an die Risse im Rumpfboot von innen sehr gut dran und habe dort nach anschleifen und entfetten 3-4 gestaffelt große Lagen 130er Gewebe einlaminiert und die Risse von außen nur mit Sekundenkleber gefüllt, das dürfte jetzt etwas fester sein als vorher.
Der Schaden auf Höhe der Endleiste machte mir aber einiges Kopfzerbrechen weil ich da von innen eigentlich nicht dran kam und meine Erfahrung mit Plätzli oder sonstiger Gewebe-Einschäftung von außen regelmäßig nur eine geringere Festigkeit als vorher ergeben hat...außer man packt ordentlich Zusatzdicke an Material drauf, dann sieht der Rumpf aber aus wie eine Anakonda nach der Wasserschweinmahlzeit
Da ich Schlangenrümpfe mit dickem Bauch nicht mag hatte ich mir überlegt ob und wie die Aufblastechnik für eine Reparatur dieser Schadensstelle von innen brauchbar sein könnte, also sozusagen mit einem Inliner wie bei der Reparatur von gebrochenen, vergrabenen Kanalleitungen ohne neue Löcher in die Erde zu machen.
Wenn man einen flexiblen Schlauch mit einem harzgetränkten Gewebeschlauch überzieht, in den Rumpf steckt und den flexiblen Schlauch dann aufbläst müsste sich das Flechtgewebe zumindest in der Rundung an die Rumpfinnenwand anlegen und mit ihr verkleben. Die unebene Rumfinnenseite sorgt dafür dass sich die Verstärkung auch bei schlechter Verklebung nicht verschiebt, man kann ja innen auch nur sehr schlecht anrauhen.
Ein Gummiballon wie im Rumpfbau aus Formen kommt für die Reparatur nicht in Frage weil das kein geschlossenes System ist, der Ballon würde an harten Gewebespitzen oder an den offenen Stellen sicher platzen.
Ein Versuch mit einem Gefrierbeutel funktionierte auch nicht, der bekam schon beim einschieben vor dem aufblasen viele Löcher.
Ich habe dann aus dicker PE-Folie, die als Windsperre für Dachisolierungen verwendet wird einen passenden robusten Schlauch hergestellt.
Die mehrschichtige Vacuumfolie der bekannten Harzhändler geht sicher auch.
Die Folie hab ich mit Übermaß zugeschnitten und Kanten mit einem Bügeleisen bei höchster Temperatur auf etwa 10 mm breite verschweißt.
Damit die heiße Folie nicht am Bügeleisen klebt, wird zwischen 2 Lagen Backpapier geschweißt, nach ein bisschen probieren geht das sehr gut.
Damit sich der Anpressschlauch mit dem Gewebe in den Rumpf schieben lässt kam noch ein Rohr rein, in das ich den Druckschlauch für die Luftzufuhr eingeschoben habe. Als Pumpe habe ich einen Airbrush-Kompressor verwendet, der dabei zwar recht heiß wurde, aber zum Glück durchgehalten hat.
Auch der Folienschlauch hält nicht viel Druck aus, deshalb habe ich das System mit einem Abluftschlauch und einem Luftventil aus dem Vacuumbau kontrolliert undicht gemacht. Druckschlauch und Abluftschlauch habe ich zum PE-Anpressschlauch mit Knete und Kabelbinder abgedichtet, der Knetpfropfen ist auf dem Bild vorher zu sehen. Aufblastest, der Druck lässt sich über das Ablassventil sehr gut regulieren Den Folienschlauch habe ich eng auf das innen liegende Rohr gewickelt und mit 2-3 Streifen schwach haftendem Kreppband fixiert.
Dann 3 gestaffelte Lagen dünner Kohleschlauch drüber, die Spitze jeweils mit Kreppband gegen aufspleißen gesichtert.
Das komplette Flechtschlauchpaket zusammen mit tixotropiertem Harz getränkt..... ...dann die Kreppbandfixierungen vom auffädeln an der Spitze alle abgeschnitten und das neue Ende des Kohleschlauchpakets mit nur einem neuen Kreppbandstreifen fixiert. Das ganze Paket habe ich dann vorsichtig in den Rumpf geschoben, die Einschubtiefe hatte ich vorher auf dem Folienschlauch markiert. Die Pumpe habe ich mit offenem Ablassventil angeschaltet und dann ganz langsam auf 0,5 bar einreguliert Als die Kreppbandstreifen der Fixierung des Foliensacks aufgingen gab es einen lauten Schlag, ich habe zunächst gedacht der Schlauch sei geplatzt, aber der Druck hat gehalten und den Kohleschlauch an die Rumpfinnenwand gedrückt. Die 0,5 bar auf dem dicken Folienschlauch reichen nicht um das Gewebe in die Ecken zu drücken, aber an den Rundungen legt es sich flächig an Nach dem aushärten habe ich den Foliensack mit einer Zange drehend aus dem Rumpf gezogen und die Durchbrüche für Verbinder und RC-Stecker frei gemacht. Der einlagige, durch den Faserwinkel weitmaschige Kohleschlauch im Verbinderbereich ging mangels Verklebung komplett wieder raus, aber ab den Steckeröffnungen ist jetzt eine zusätzliche Kohle-Rumpfinnenwand vorhanden, die den Rumpf merklich steifer macht und die Bruchstelle überbrückt Beim Biegeversuch von Hand erscheint der reparierte Energic-Rumpf schon genauso steif wie der Rumpf vom neuen Erwin 5 der heute ankam, aber wahrscheinlich mache ich mir noch ein bisschen Arbeit und schleife die Risse auch von außen an und schäfte noch ein paar Lagen feines Gewebe ein, dann ist es sicher stabiler als vorher und trotzdem sieht es nicht aus wie eine gerade voll gefutterte Anakonda
Gruß,
Uwe.