Rumpfreparatur mit Inliner

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UweH
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Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von UweH » Mo 3. Sep 2018, 23:28

Hallo Leute,

bereits letztes Jahr habe ich mein zweites Exemplar meines CFK-Lieblingsleitwerkers "Energic Glider" wegen Servodefekt am gleichen Tag an dem dieses Video aufgenommen wurde sehr schwer beschädigt:
https://vimeo.com/211134792

Die Flächen sind an einigen Stellen ziemlich Matsch, die würden sich nur mit Reparaturschalen wieder halbwegs in Form bringen lassen...aber schön werden die sicher nicht mehr, deshalb hatte ich mir einige Zeit nach dem Bruch bei MG-Modellbau Ersatzflächen bestellt.

Die Leitwerke hatten nur ein paar kleine Kratzer, aber der Rumpf hatte einige Risse am Ende der Aufstecknase und auf einer Seite ungefähr auf Höhe der Flügelendleiste.
Für den Einschlag war wohl ein Kabelbruch an einem Höhenruderservo verantwortlich, aber die Baumlandung haben beide KST X08 nicht überlebt, deshalb lag es nahe den beschädigten Rumpf für die Reparatur komplett auszuräumen.
Damit kam ich an die Risse im Rumpfboot von innen sehr gut dran und habe dort nach anschleifen und entfetten 3-4 gestaffelt große Lagen 130er Gewebe einlaminiert und die Risse von außen nur mit Sekundenkleber gefüllt, das dürfte jetzt etwas fester sein als vorher.

Der Schaden auf Höhe der Endleiste machte mir aber einiges Kopfzerbrechen weil ich da von innen eigentlich nicht dran kam und meine Erfahrung mit Plätzli oder sonstiger Gewebe-Einschäftung von außen regelmäßig nur eine geringere Festigkeit als vorher ergeben hat...außer man packt ordentlich Zusatzdicke an Material drauf, dann sieht der Rumpf aber aus wie eine Anakonda nach der Wasserschweinmahlzeit :twisted:

Da ich Schlangenrümpfe mit dickem Bauch nicht mag hatte ich mir überlegt ob und wie die Aufblastechnik für eine Reparatur dieser Schadensstelle von innen brauchbar sein könnte, also sozusagen mit einem Inliner wie bei der Reparatur von gebrochenen, vergrabenen Kanalleitungen ohne neue Löcher in die Erde zu machen.
klein_IMG_0046.jpg
Wenn man einen flexiblen Schlauch mit einem harzgetränkten Gewebeschlauch überzieht, in den Rumpf steckt und den flexiblen Schlauch dann aufbläst müsste sich das Flechtgewebe zumindest in der Rundung an die Rumpfinnenwand anlegen und mit ihr verkleben. Die unebene Rumfinnenseite sorgt dafür dass sich die Verstärkung auch bei schlechter Verklebung nicht verschiebt, man kann ja innen auch nur sehr schlecht anrauhen.
Ein Gummiballon wie im Rumpfbau aus Formen kommt für die Reparatur nicht in Frage weil das kein geschlossenes System ist, der Ballon würde an harten Gewebespitzen oder an den offenen Stellen sicher platzen.
Ein Versuch mit einem Gefrierbeutel funktionierte auch nicht, der bekam schon beim einschieben vor dem aufblasen viele Löcher.

Ich habe dann aus dicker PE-Folie, die als Windsperre für Dachisolierungen verwendet wird einen passenden robusten Schlauch hergestellt.
Die mehrschichtige Vacuumfolie der bekannten Harzhändler geht sicher auch.
Die Folie hab ich mit Übermaß zugeschnitten und Kanten mit einem Bügeleisen bei höchster Temperatur auf etwa 10 mm breite verschweißt.
Damit die heiße Folie nicht am Bügeleisen klebt, wird zwischen 2 Lagen Backpapier geschweißt, nach ein bisschen probieren geht das sehr gut.
Damit sich der Anpressschlauch mit dem Gewebe in den Rumpf schieben lässt kam noch ein Rohr rein, in das ich den Druckschlauch für die Luftzufuhr eingeschoben habe. Als Pumpe habe ich einen Airbrush-Kompressor verwendet, der dabei zwar recht heiß wurde, aber zum Glück durchgehalten hat.
klein_IMG_0016.jpg
Anpressschlauch mit Einschubrohr und Druckschlauch
Auch der Folienschlauch hält nicht viel Druck aus, deshalb habe ich das System mit einem Abluftschlauch und einem Luftventil aus dem Vacuumbau kontrolliert undicht gemacht. Druckschlauch und Abluftschlauch habe ich zum PE-Anpressschlauch mit Knete und Kabelbinder abgedichtet, der Knetpfropfen ist auf dem Bild vorher zu sehen.
klein_IMG_0017.jpg
Aufblastest, der Druck lässt sich über das Ablassventil sehr gut regulieren
klein_IMG_0021.jpg
Den Folienschlauch habe ich eng auf das innen liegende Rohr gewickelt und mit 2-3 Streifen schwach haftendem Kreppband fixiert.
Dann 3 gestaffelte Lagen dünner Kohleschlauch drüber, die Spitze jeweils mit Kreppband gegen aufspleißen gesichtert.
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Das komplette Flechtschlauchpaket zusammen mit tixotropiertem Harz getränkt.....
klein_IMG_0026.jpg
...dann die Kreppbandfixierungen vom auffädeln an der Spitze alle abgeschnitten und das neue Ende des Kohleschlauchpakets mit nur einem neuen Kreppbandstreifen fixiert.
klein_IMG_0027.jpg
Das ganze Paket habe ich dann vorsichtig in den Rumpf geschoben, die Einschubtiefe hatte ich vorher auf dem Folienschlauch markiert.
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Die Pumpe habe ich mit offenem Ablassventil angeschaltet und dann ganz langsam auf 0,5 bar einreguliert
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Als die Kreppbandstreifen der Fixierung des Foliensacks aufgingen gab es einen lauten Schlag, ich habe zunächst gedacht der Schlauch sei geplatzt, aber der Druck hat gehalten und den Kohleschlauch an die Rumpfinnenwand gedrückt.
klein_IMG_0035.jpg
Die 0,5 bar auf dem dicken Folienschlauch reichen nicht um das Gewebe in die Ecken zu drücken, aber an den Rundungen legt es sich flächig an
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klein_IMG_0041.jpg
klein_IMG_0044.jpg
Nach dem aushärten habe ich den Foliensack mit einer Zange drehend aus dem Rumpf gezogen und die Durchbrüche für Verbinder und RC-Stecker frei gemacht. Der einlagige, durch den Faserwinkel weitmaschige Kohleschlauch im Verbinderbereich ging mangels Verklebung komplett wieder raus, aber ab den Steckeröffnungen ist jetzt eine zusätzliche Kohle-Rumpfinnenwand vorhanden, die den Rumpf merklich steifer macht und die Bruchstelle überbrückt
klein_IMG_0048.jpg
Beim Biegeversuch von Hand erscheint der reparierte Energic-Rumpf schon genauso steif wie der Rumpf vom neuen Erwin 5 der heute ankam, aber wahrscheinlich mache ich mir noch ein bisschen Arbeit und schleife die Risse auch von außen an und schäfte noch ein paar Lagen feines Gewebe ein, dann ist es sicher stabiler als vorher und trotzdem sieht es nicht aus wie eine gerade voll gefutterte Anakonda ;-)

Gruß,

Uwe.
Ein Flügel genügt

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italouwe
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Re: Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von italouwe » Di 4. Sep 2018, 17:51

Yes, we can!

Danke für den tollen Tip!
Auf dass es bald wieder pfeift, im DS...

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Nobby_segelflieger
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Re: Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von Nobby_segelflieger » So 9. Sep 2018, 12:05

Servus Uwe

Das mit dem Anschleifen / Schäften von aussen ist die beste alternative. An meinem F3B Dingo habe ich dsa Rumpfboot vorne auch scho 2 mal abgerissen. Nach dem 2. mal habe ich das ganze mit Seku wieder zusammen gepusselt und erst mal von innen mit 60er Sandpapier angerauht, dann mit Azeton entfettet und erst mal eine Lage 80er Glas in 90 grad und eine in 45 Grad einlaminiert. Nach dem durchhärten dann von aussen den Cut gut eingeschliffen und ca 25-30 mm breit auslaufend geschliffen. Darin erst eine Lage 45er Glas in 45 Grad, dann eine Lage Kohlegewebe 90 Grad, (welche Gramatur weis ich jetzt gerade nicht),in 90 Grad, dann wieder eine Lage 80er Glas, 45 Grad.
Das ganze nach dem Aushärten schön eben verschliffen. Bisher zwar alles noch ohne Farbe (seit 3 Jahren), und hat schon viele F3J Stecklandungen am Hang weggesteckt. Viel hilft oftmals nicht viel. Weniger ist oft mehr, wenn es richtig gemacht ist.

Bei deiner Reparatur hab ich da auch keinen Bedenken.
Sehr Hanglastige Grüße aus dem Südschwarzwald/Baden
DRANGzumHANG
Jeti DC-16 und WEATRONIC DV4

Nobby

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UweH
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Re: Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von UweH » So 9. Sep 2018, 16:31

Nobby_segelflieger hat geschrieben:
So 9. Sep 2018, 12:05
Anschleifen / Schäften von aussen ist die beste alternative
Hi Nobby,
ich finde nicht dass eine Reparatur nur von außen ohne mehr Materialstärke an der Bruchstelle die beste Alternative ist, es ist lediglich die einfachste Möglichkeit.
Auch bei sorgfältigem einschäften des Gewebes von außen hat man bei den dünnwandigen Modellellrümpfen immer Festigkeitsverlust weil z.B. die Fasern kürzer und nicht optimal ausgerichtet sind als im Originalzustand. Außerdem ist man von der Qualität einer Verklebung abhängig statt ein ungestört homogen gehärtetes Laminat zu haben.
Um den Festigkeitsverlust auszugleichen kann man die Materialstärke erhöhen, aber das sieht man in Form eines Wulstes wenn man es nur von außen macht. Am besten ist es die gerissenen Fasern durch einschäften von neuem Gewebe von außen zu ersetzen und zusätzlich innen die Materialstärke zu vergrößern. Leider kommt man bei den dünnen Rümpfen von Zweckseglern von Innen kaum direkt an die Bruchstelle ran, mit den Flechtschlauchinlinern ist das indirekt aber öfter möglich.

Man kann statt dem PE-Schlauch auch einen eingetrennten Fahrradschlauch mit Ventil und Handpumpe verwenden, der hält dann lange dicht ohne dass eine E-Pumpe permanent laufen muss.
Der geschweißte PE-Schlauch hat vor allem den Vorteil dass man den Schlauchdurchmesser individuell auf Form und Durchmesser des Rumpfs an der Reparaturstelle anpassen kann.

Gruß,

Uwe.
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Koarl
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Re: Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von Koarl » So 9. Sep 2018, 22:38

Also ich bin bisher auch ganz gut mit der Plätzlitechnik gefahren, auch ohne von innen zu versteifen. Die Manntragenden machen es ja ähnlich.

Aber wie es so oft ist, was bei dem einen funktioniert, funktioniert beim anderen nicht. Die Erfahrung habe ich schon oft gemacht, der Lernprozess, womit man selber am besten klarkommt ist nie zu Ende.

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Re: Rumpfreparatur mit Inliner

Beitrag von UweH » Mo 10. Sep 2018, 00:27

Koarl hat geschrieben:
So 9. Sep 2018, 22:38
Also ich bin bisher auch ganz gut mit der Plätzlitechnik gefahren, auch ohne von innen zu versteifen. Die Manntragenden machen es ja ähnlich.
Hi Carlos,
oft liest man in Verkaufsanzeigen für gebrauchte Faserverbundflieger dass eine Rumpfreparatur höhere Festigkeit hat als vorher.
Das lässt sich mit Plätzlitechnik nur von außen aber gar nicht erreichen.
Die manntragenden benutzen für die Reparatur keine undefinierten kleinen Faserplätzli, sondern möglichst große Gewebezuschnitte die in den unteren Lagen mit genau definiertem Faserverlauf eingeschäftet werden und den Reparaturbereich komplett überdecken. Erst in den Decklagen enstehen durch das in Form schleifen der Schäftung kürzere Faserlängen. Im Modellbau ist die Schäftung wegen der dünnen Rumpfwandstärken nicht so gut definiert herstellbar.
Ich habe beim Avatar nach dem zweiten Bruch an gleicher Stelle trotz Reparatur mit ordentlich eingeschäfteten großen Gewebestücken den häßlichen Wulst aus Zusatzlagen außen akzeptiert und bin mir sicher dass es ziemlich viel aushält. Beim Energic musste ich wegen weiterer Schäden den Rumpf eh ausräumen und konnte deshalb die beschriebene Innenverstärkung relativ unaufwändig einbauen ......und dabei bin ich mir in dem Fall sicher dass es tatsächlich mehr aushält als der Originalrumpf vor der Reparatur.
Im Anhang ein Bild vom Samstag von der Avatar-Wiederholungs-Reparaturstelle nach der Schrumpfschlauchmethode nur von außen.

Eine Plätzlireparatur ist einfach und lässt sich durch schleifen "unsichtbar" machen, besser ist es möglichst große Gewebestücke mit definierter Faserausrichtung einzuschäften, aber volle Festigkeit erreicht man an einer Bruchstelle durch sehr präzise Schäftung oder Zusatzmaterial innen und / oder außen.

Gruß,

Uwe.
klein_IMG_5742.jpg
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