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Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Di 26. Sep 2017, 18:21
von italouwe
Hallo!
Gibt es eine Faustformel oder Massstab, wie breit der Servohebel und Ruderhorn sein soll, damit das Ruder später harmonisch läuft?
Ist das auch von der Modellgrösse abhängig?
Wieviel Spannung sollte die ganze Geschichte haben?
Sollten die Seile im Rumpf in Abständen geführt werden, wie ein Bowdenzug?
Bringt eine Überkreuzanlenkng etwas?
Bei meinen Modellen- eine SB10 mit 4,80m und Flamingo HW4 (Oldie) - Rumpflänge jeweils um die 1,70m laufen sie sehr ruckartig und stellen relativ ungenau zurück.
Ich habe jetzt mal ein wenig Expo dazugegeben, mal ausprobieren ob man eine Veränderung spürt.
Dake schonmal,
Gruss, Uwe
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Mi 27. Sep 2017, 22:29
von Bernhard
Hallo Uwe,
es gibt einen wichtigen Punkt, Seitenruder-Hebel und "Servo-Hebel" müssen die Gleiche Hebel-Länge haben und in Ruhestellung beide exakt auf Geradeaus ausgerichtet sein..
Erster Punkt der "Servo-Hebel" ist nicht der Hebel am Servo sondern ein separater solide gelagerter (Kugellager) Hebel nahe beim Servo.
Dieser Hebel wird durch ein Koppelgestänge vom Servo angelenkt. Der Grund ist, bei dieser Konstruktion werden die Kräfte aus der Seilspannung vom Servo ferngehalten.
Der Grund warum die Hebel Gleich sein sollen und exakt ausgerichtet sein sollen liegt darin, dass in allen anderen Fällen der Abstand der Endpunkte über die Auslenkung variiert.
Ich hoffe die Info hilft.
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Sa 30. Sep 2017, 07:51
von Balthasar
Bernhard hat geschrieben:
Ich hoffe die Info hilft.
Mir hat's geholfen

Danke!
Warum bzw. wann entscheide ich mich eigentlich für eine Seilanlenkung und gegen eine Schubstange oder einen Bowdenzug? Besonders bei größeren Modellen hätte ich gedacht, dass die kurze und direkte Anlenkung mit einem Heckservo die effizienteste Methode ist ...(?)
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Sa 30. Sep 2017, 16:00
von Bernhard
Hallo Balthasar,
bei großen Seglern und genügend Dicke des Seitenruders oder des Rumpfendes wirst du keine präzisere Anlenkung als durch Heckservo, spielfreie Kugelköpfe und Schubstange (Kohlestab) erreichen. Nachteil einer solchen Lösung 70-100g am langen Hebel hinter dem Schwerpunkt. Eine Faustformel besagt jedes Gramm im Heck braucht 3 Gramm Ballast in der Nase. Bei der Anordnug Heck-Servo hat die gesammte Funktion also 280-400 Gramm. Mit einer Seilanlenkung kannst den Servo in die Nase verlegen, ebenso den Hebel. Das Gewicht der Seile kannst du vernachlässigen. Da nun der Servo vor dem Schwerpunkt liegt spart er abhängig vom Hebel bis zu seinem Eigengewicht an Nasenblei.
Ich hoffe das veranschautlich warum Seilanlenkung speziell bei Großseglernn Sinn macht.
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Sa 30. Sep 2017, 18:31
von Bernhard
Hallo,
ich habe im WWW noch ein Bild für einen solchen Hebel an der Servoseite gefunden.

- seitenruder-anlenkungsset-fuer-segelflugmodelle.jpg (28.24 KiB) 12807 mal betrachtet
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Sa 30. Sep 2017, 23:00
von Koarl
Schau dir mal den Bericht an:
https://www.swiss-composite.ch/pdf/A-Giotto.pdf
Da ist eine interessante Lösung drin!
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: So 1. Okt 2017, 17:44
von Bernhard
Hallo Koarl,
der Beitrag zu dem Giotto ist richtig informativ und nicht nur zu der Realisierung der Seitenruderanlenkung.
Danke Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: So 1. Okt 2017, 17:54
von Balthasar
Jau, schließe mich an. Habe auch gerade den ganzen Bericht verarbeitet
Ich fasse für mich zusammen, dass eine kurze Direktansteuerung das Maß der Dinge bleibt. Dagegen spricht lediglich das zusätzliche Gewicht im Heck und/oder die höhere Belastung des Servos bei Schlägen gegen das Seitenruder. Das muss dann im Einzelfall beurteilt werden.
Ei jo, ich Danke Euch!
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: So 1. Okt 2017, 21:00
von Bernhard
Hallo,
ich habe im WWW noch ein Bild der Kopplung Seitenruder-Servo und Seitenruder-Hebel gefunden.

- Anlenkung.JPG (46.22 KiB) 12754 mal betrachtet
Wie schon mal geschrieben hält diese Lösung die Zugkräfte durch die Seilspannung vom Servo fern.
Weiterhin kann durch diese Lösung die Übersetzung Servo-Ausschlag zu Seitenruder-Ausschlag frei angepaßt werden.
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Mo 2. Okt 2017, 13:59
von Koarl
Jaja, die Burschen haben sich echt was überlegt!
Ich habe mir ja auch vorgenommen, beim nächsten Mal so eine Seilanlenkung zu probieren.
Und da werde ich's wie beim Giotto machen, in Kombination mit so einer Umklenkung.
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Di 3. Okt 2017, 10:24
von Bernhard
Hallo Koarl,
die Seilspannung und Überlastlösung vom Giotto funktioniert sicher.
Was mich etwas stört, das sich die Nulllage schlecht justieren läßt und nicht reproduzierbar ist.
Daraus folgt immer nachtrimmen.
Die RC-Car leute haben bei der Lenkung laufend Schläge auf Rad-Lenkgestänge-Servo.
Dort werden sogenannte Servo-Saver eingesetzt.
Die Servo-Saver geben ab einer bestimmten Kraft nach und stellen sich danach wieder zurück.
Das würde eine reproduzierbare Nulllage ergeben.
Wie gut die für uns sind, keine Ahnung aber eine Überprüfung wäre es wert.
Hier noch zwei Bilder aus dem WWW von solchen Servo-Savern

- Servo_Saver_1.JPG (25.46 KiB) 12729 mal betrachtet

- Servo_Saver_2.JPG (20.39 KiB) 12729 mal betrachtet
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Di 3. Okt 2017, 13:28
von Frank T.
So funktioniert es ohne zusätzlichen Hebel und Gedöns:
http://www.rc-network.de/forum/showthre ... post650726
Habe ich jetzt bei mehreren Modellen verwendet und es gab nie Probleme. Meine 4m ASW15 ist schon öfters über 300 km/h damit geflogen.
Ich nehme immer einen durchgehenden Roving den ich in der Mitte, wo er durch das Seitenruder geht, vor dem Harzen eingeschrumpfe. So habe ich einen elastischen Bereich. Funktioniert auch über Kreuz. Habe ich bei der ASW so gemacht, weil die angeformten Hutzen sehr eng sind.
Das gibt straffe Anlenkungen ohne das Servo zu überlasten. Drehpunkte am Ruder und Servo natürlich mit exakt geichem Abstand und genau auf Höhe der Drehachse, aber das wurde ja bereits gesagt.
Gruß
Frank
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Di 3. Okt 2017, 13:47
von italouwe
Hallo Leute!
Danke für die tollen Gedanken und Vorschläge!
Das mit den Rovings habe ich in der Tat schon mal gelesen, aber nie probiert, werde ich aber tun.
Schöne Grüsse an alle und immer gute Landungen!
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Mi 4. Okt 2017, 09:56
von Koarl
Bernhard hat geschrieben:Hallo Koarl,
die Seilspannung und Überlastlösung vom Giotto funktioniert sicher.
Was mich etwas stört, das sich die Nulllage schlecht justieren läßt und nicht reproduzierbar ist.
Daraus folgt immer nachtrimmen.
Die RC-Car leute haben bei der Lenkung laufend Schläge auf Rad-Lenkgestänge-Servo.
Dort werden sogenannte Servo-Saver eingesetzt.
Die Servo-Saver geben ab einer bestimmten Kraft nach und stellen sich danach wieder zurück.
Das würde eine reproduzierbare Nulllage ergeben.
Wie gut die für uns sind, keine Ahnung aber eine Überprüfung wäre es wert.
Hier noch zwei Bilder aus dem WWW von solchen Servo-Savern
Servo_Saver_1.JPG
Servo_Saver_2.JPG
Gruß Bernhard
Das Ding sieht auch gut aus.
Die Nullstellung braucht man nicht trimmen. Einfach das Seitenruder per Hand gerade drücken. Der Seilzug wird ja nicht im SR festgeklebt, sondern nur durch die Spannung gehalten.
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Mi 4. Okt 2017, 18:05
von Bernhard
Hallo Koral,
mit dem "gerade rücken" hast du sicherlich recht aber selbst mit Lehre bleibt da immer noch ein kleiner Ausschlag nach links oder rechts und den darfst du dann trimmen.
Nichts desto trotz die Lösung vom Giotto hat was und ich habes sie mir abgespeichert.
Insgesamt finde ich es richtig gut was sich hier an Lösungen zur Seitenruderanlenkung zusammen getragen wurde.
Wie jemand es in seinem Flieger realisiert bleit jedem selbst überlassen aber das Wissen um verschiedene Lösungen vereinfacht es eine gute Lösung für sich umzusetzen,
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Do 5. Okt 2017, 17:14
von Koarl
Ach komm, wenn das einen mm außer der Mitte steht, dann ist alles beinander. Und das wird man am Seitenruder nicht merken. Aber egal, wie du richtig sagst, soll's jeder so machen wie ihm beliebt.
Jedenfalls hab ich mir das gerade mit den Glasrovings angesehen. Verstehe ich richtig, man nimmt statt dem Seilzug zwei dünne Schubstangen? Kannst du uns deine Lösung mal zeigen?
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Do 5. Okt 2017, 19:03
von Bernhard
Hallo Koarl,
der Link / Beitrag zum Glasrowing stammt nicht von mir sondern von Frank T.
Ich habe es so verstanden, die Glasrowings werden zwar nit Harz getränt und somit nach dem Aushärten steif.
Dies aber nicht um als Schubstange zu arbeiten sondern ausschließlich auf Zug.
Soweit ich verstanden habe sind die Enden sowieeso ohne Harz und daher flexibel.
Glas wurde deshalb genommen weil die gleiche Ausdehnung wie der Gfk Rumpf.
Bei meinem 4m Segler ist ein "klassisches" Gestänge verbaut.
Ich sammle Lösungen für ein 5m Segler in Holzbauweise.
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Do 5. Okt 2017, 20:25
von Koarl
Achso Hoppla.
Wir meinen schon das gleiche. Ich denk' mir nur, wenn die steif sind, dann arbeiten die Rovings nicht nur auf Zug, sondern schieben auch ein wenig. So wie ich das verstehe müssen die exakt im gleichen Maße schieben als auch ziehen.
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Fr 6. Okt 2017, 06:57
von Bernhard
Hallo Koarl,
schieben werden die bei der Länge gar nichts.
Nehme mal einen 1m Stahldraht (0,8mm) und belaste ihn auf Schub.
Der weicht schon bei kleiner Kraft mit einem Bogen zur Seite aus während auf Zug du ettlich Kilos übertragen kannst.
Also wird bei den Glas-Rowings nur der "Zug"-Seite die Kraft übertragen und wenn eine Kraft auf die Schubseite kommt der Glas-Rowing die biege machen.
Gruß Bernhard
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Fr 6. Okt 2017, 09:07
von Frank T.
Richtig, da schiebt nix.
Ich verwende einen langen Roving. Der wird in der Mitte auf ca. 6 cm eingeschrumpft. Der Bereich geht später durch das Seitenruder. Die beiden freien Bereiche links und rechts werden geharzt und wie beschrieben verdrillt. Vorne werden Löthülsen aufgeklebt.
Funktioniert perfekt und ist nicht so ein Gefummel wie mit Seilen. Wichtig ist natürlich den Abstand der Anlenkungspunkte vorne und hinten gleich zu machen. Die Vorspannung muss nicht hoch sein.
Gruß Frank
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Fr 6. Okt 2017, 17:43
von Koarl
Ich meine schon das gleiche wie ihr, nur mit der Beschreibung finden wir nicht zusammen. Ich korrigiere mich, die Zugseite zieht und die andere lässt dementsprechend nach. Richtig?
Danke für die Erklärung Frank! Klebst du den Roving im Ruder noch fest oder läuft der frei durch wie beim Giotto?
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Fr 6. Okt 2017, 17:44
von Koarl
Re: Seitenruder-Seilanlenkung bei Grossseglern
Verfasst: Di 26. Feb 2019, 14:02
von Cobb
italouwe hat geschrieben: ↑Di 26. Sep 2017, 18:21
Hallo!
Gibt es eine Faustformel oder Massstab, wie breit der Servohebel und Ruderhorn sein soll, damit das Ruder später harmonisch läuft?
Ist das auch von der Modellgrösse abhängig ?
Wieviel Spannung sollte die ganze Geschichte haben?
Sollten die Seile im Rumpf in Abständen geführt werden, wie ein Bowdenzug?
Bringt eine Überkreuzanlenkng etwas?
Bei meinen Modellen- eine SB10 mit 4,80m und Flamingo HW4 (Oldie) - Rumpflänge jeweils um die 1,70m laufen sie sehr ruckartig und stellen relativ ungenau zurück.
Ich habe jetzt mal ein wenig Expo dazugegeben, mal ausprobieren ob man eine Veränderung spürt.
Dake schonmal,
Gruss, Uwe
der Beitrag zu dem Giotto ist richtig informativ und nicht nur zu der Realisierung der Seitenruderanlenkung.