während das Harz vom einkleben des letzten der 8 Flügelservos aushärtet möchte ich mit der Vorstellung und einem kleinen Baubericht meines derzeitigen Hauptprojekts beginnen, eine Ho XIV (= Horten 14) im Maßstab 1:4 mit 4 m Spannweite. Das Modell ist etwas ganz anderes als das Arschtier C&S-Projekt, denn es ist nicht Quick´n´dirty. Die Zielsetzung ist viel mehr ein Flugzeug zu bauen das einen möglichst guten Scale-Eindruck im Stil einer Puppenstube hinterläßt, aber trotz vieler dem Vorbild geschuldeter ungewöhnlicher Details eine hohe Alltagstauglichkeit hat.
Der Entwurf und die Konstruktion des Flugzeugs entstand als zweites Gemeinschaftsprojekt im Forum der IG-Horten. Es fliegen bereits 3 Exemplare, eines davon gehört unserem Norbert1 hier im Forum. Diese 3 bereits fliegenden Modelle haben jedoch kein Scale-Mittelstück, sondern ein "Experimental"-Mittelstück mit Elektroantrieb, das einen Elektro-Zweck-Motorsegler daraus macht. Neben meinem bereits im Oktober 2009 bekonnenen Semi-Scale-Bau entsteht derzeit in den USA ein weiteres Exemplar mit Glashaus im Flügelbug. Hier der Link zu dem Baubericht von Brian bei RC-Groups
Alle Modelle entstehen aus gefrästen Pappel- und Birkensperrholzrippen und sind mit 0,6 mm Birkensperrholz beplankt (außer bei Brian, ich glaub der beplankt mit 0,4 mm Birke). Die Holme bestehen bei allen aus Kieferleisten, nur ich verwende laminierte Kohleholme. Die bisher fliegenden 3 Modelle haben schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten Probleme mit Flügelflattern die ich von meiner ähnlich großen Ho IIIe nicht kenne, deshalb bau ich einige Modifikationen ein um das hoffentlich bei mir abzustellen...die Ur-Konstruktion ist nicht von mir.
Noch ein paar Worte zum Vorbild. Die Brüder Walter und Reimar Horten konstruierten ab Anfang der 1930er Jahre manntragende Nurflügel und die ersten beiden wurden von den damals noch jungen Burschen in der elterlichen Wohnung gebaut (!). Erstflug der Horten I war 1933. Im Laufe der Zeit wurden die Segelflugzeuge immer größer, höher gestreckt und leistungsfähiger. Der Gipfel war die Horten VI mit 24,2 m Spannweite und Sreckung 32,4 die gegen Ende des 2. Weltkriegs in 2 Exemplaren gebaut wurde und noch ein paar mal flog. Der bekannteste Segler ist aber die Ho IV mit 20,3 m Spannweite und Streckung 21,8, einer der leistungsfähigsten Segler dieser Zeit und in 5 Exemplaren gebaut.
Diese Hochleister haben aber den Nachteil, dass sie für den Clubbetrieb reichlich unhandlich sind und so entwarfen die Hortens gegen Ende des Krieges die Ho XIV als Clubsegler mit 16 m Spannweite und Streckung 16,2. Es wurde nur 1 Exemplar zu Kriegesende wegen der Materialknappheit auf möglichst einfache Weise flugfertig gebaut, aber nicht mehr geflogen. Der bespannte und flugfertige Prototyp wurde im Mai 1945 von freigelassenen Zwangsarbeitern ungeflogen zerstört. Dieses Flugzeug ist das Vorbild meines Baus und das praktische ist dass es keine Fotos und überhaupt nur wenig brauchbare Unterlagen zu dem Typ gibt. Wenn ich von Scale abweiche kann das niemand beweisen
Man kann jedoch aus Beschreibungen davon ausgehen, dass sich die XIV in vielen Detail-Punkten an die für den Serienbau konstruierte Ho IVb orientiert hat. Die IVb ist für den Modellnachbau relativ gut dokumentiert, der Prototyp ist aber vor allem wegen falscher Profilwahl abgestürzt("Mustang"-Profil), der Pilot kam dabei wegen nicht eingehängtem Automatikschirm ums Leben.
So, und jetzt fang ich einfach mal an Bilder des Baus zu posten, ein paar Erklärungen stehen dann in den Bildkommentaren.
Zunächst ein Bild der Horten IV die in der Flugwerft des deutschen Museums in Oberschleißheim hängt wo ich am Montag wieder mal vorbei fahre und keine Zeit habe mir den Flieger anzuschauen...aber bald...
Aus dieser Perspektive wären die IV und die XIV kaum zu unterscheiden.
Danke Maxi für das Foto von Deinem Museumsbesuch: im nächsten Post gibts noch ein paar Bilder, es sind maximal 10 pro Post erlaubt und ich denke das reicht normalerweise auch aus, bis gleich...