Um nicht wieder ausschließlich Schaumwaffelkrams fliegen zu müssen über die kommende Wintersaison, habe ich mich doch sehr gerne und ohne jegliche Überredungskunst breitschlagen lassen, zwei Vereinsprojekte durchzuziehen.
Eines wird ein kleiner Kunstflieger sein, angelehnt an den MPX-Acromaster und das andere ist das Gegenteil, ein Taschenwärmerflieger. Ein kleiner Hotliner, der dem Piloten in kürzester Zeit einen warmen Lipo für die Hosentasche zaubert...
Hier also ein Kurzbericht über den OberHot, der Name setzt sich zusammen aus unserem Modellflugplatz in Oberbruck und, wer hätt's gedacht, Hotliner.
Maßgeblich beteiligt war eine Rumpfform aus irgendeinem Formenkonvolut das ich mal übernommen hatte, für einen klassischen Hotliner, keine Ahnung was das im Original mal war, aber klassisch geformt eben. So grob geschätzt sollten da Flächen mit 1,7m Spannweite ganz gut passend drauf aussehen, also ging die Geometrie- und Profilsuche los. Die Geometrie war schnell klar, klassisch eben. Dreifach Trapez, bei jedem Trapezübergang gleichzeitig einen V-Form-Sprung mit eingebaut, so sollte das Ding also gut am Stück direkt abzupressen sein mit 50mm XPS-Platten. Alles eben praktisch und günstig für den Vereinsbau gedacht.
Als Profilbasis kam das RL1PY1 von Norbert Hübner für die Ariane P5 entworfen mit leichten Modifikationen zum Zuge, was ich das erste mal verwendet habe und sich als perfekte Wahl herausgestellt hat. Schnell, guter Durchzug, trotzdem wirklich unglaublich brav.
Zuerst habe ich also einen Rumpf in der Form laminiert, um zu sehen, ob das Förmchen etwaige Gemeinheiten bereithält, oder ob es wirklich Vereinstauglich ist. Spoiler: Ist es. Nur die NACA-Ein- und Auslässe sind etwas fies zu machen, aber da die ja am Ende eh rausgefräst werden, ist es dann auch Wurst, ob man sich da eine Luftblase einbaut...
Das HR-Servo habe ich direkt in den Hintern eingeklebt, hätte ich daran einen Schaden, würde ich einfach einen neuen Rumpf laminieren. Bei 3h zum laminieren, komplett in GFK mit Dosenlack in der Form lackiert, also alles seeeehr günstig, lohnt eine größere Reparatur kaum.
Die Flächenauflage ist perfekt, da passt alles drauf bis 30cm Wurzeltiefe. Die im Endeffekt dann als ästhetisch schön gewählten 19cm waren also kein Problem.
Die Flächen habe ich klassisch einfach aufgebaut, also einen 1m langen Kiefernholm zurecht gehobelt, 200g UD -Dreiecke in 10cm Breite an der Wurzel auf 0cm bis zum Randbogen, vollflächig 150er Biax drüber, das ganze auf billiges 0,5er Furnier gebracht und die Ruderverkastungen 15mm breit rausgeholt, einen Glasschlauch drübergezogen und ein Streifen Kevlar als Scharnier eingelegt, fertig. Das HR hat nur 150g Biax, Verkastungen in 10mm und das Furnier abbekommen.
Der Erstflug war etwas schwierig, weil ich keine Lust hatte Blei einzukleben....
Die Fuhre war also, nennen wir es mal sehr agil um die Querachse unterwegs. Aber alles ging gut und man konnte schon sehen, dass das Konzept aufgegangen ist. Schnell mit gutem Durchzug, aber trotzdem schön brav beim Landen. Wie oben schon erwähnt.
Gewichte aktuell sind: Rumpf 611g, Flächen 725g, Akku 247g. Macht 1583g Gesamt. Da kommen jetzt noch ca 20g Blei in die Nase, dann sollte das passen, ergibt also ziemlich genau 1,6kg bei 1,7m Spannweite. Ist glaub ganz ok so für ein, in der Luft, unzerstörbares Fliegerle. Letzteres habe ich heute schon getestet, die Flächen haben sich kaum sichtbar gebogen bei einem senkrechten Ablasser aus geschätzt 500m und dann vollem Höhenruder mit SnapFlap.
Das erste Projekt ist hiermit also soweit beendet und in den nächsten Wochen/Monaten werden es die Vereinskollegen dann nachbauen. Das zweite, der kleine Motorkunstflieger, wird in den nächsten Wochen abgeformt, zwei Vereinskollegen sind gerade am Urmodell dran, und dann geht es dort weiter. Aber da das ja ein Motormodell ist, würde ich es höchstens kurz im OT-Bereich vorstellen, falls überhaupt Interesse daran bestehen sollte...
Gruß Christian
