Do's und vorallem Dont's im Formenbau und bei dem Bau aus Formen

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Uhle
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Do's und vorallem Dont's im Formenbau und bei dem Bau aus Formen

Beitrag von Uhle » Mo 7. Okt 2019, 14:03

Hallo alle zusammen,

ich würde gerne meine gesammelten Erfahrungen im Formenbau und beim Bau aus Formen teilen damit der ein oder andere vielleicht nicht die selben Fehler machen muss wie ich. Auch Tricks und Tipps die für mich funktionieren werde ich hier gerne zum Besten geben. Meine Erfahrung beim Formenbau ist zwar noch gering aber Fehler gab es dafür schon viele...
Wer mehr zu bieten hat kann gerne auch was dazu beitragen.

- Vorbereitung ist alles!

- Viele Wege können zum Erfolg führen!

- Das sind meine Erfahrungen und meine Lösungen, die für mich funktionieren und sollen keine Universallösung darstellen.

- Der Vakuumpumpe ist auf der Saugseite ein Feinfilter zu spendieren. Bei mir tuen kleine Spritfilter ihren Dienst zuverlässig.

- Ich nutze einen Kühlschrankkompressor zum Vakuum ziehen. Der geht bis unter -0,9 Bar. Da die Kompressoren nicht für Dauerbetrieb ausgelegt sind habe ich mit Wärmeleitkleber diverse Computer Kühlkörper auf den Kompressor geklebt. Im Betrieb stelle ich einen 12v 120mm Lüfter neben den Kompressor. Damit der Lüfter nicht so laut bläst läuft dieser nur mit 7,5V. Die Kühlung ist voll ausreichend und der Kompressor wird nie wärmer als 40°. Da die Kompressoren in einem Ölbad laufen hänge ich den Abluftschlauch direkt vor meine Bastelzimmerentlüftung. (umgebaute Dunstabzugshaube)

- Ich habe immer min. einen einsatzfähigen Ersatzkompressor bereitstehen. Zur doppelten Sicherheit habe ich noch einen Ölfreien Kompressor stehen, der in 5 Minuten einsatzfähig gemacht werden kann (Notnagel, weil die Pumpe doch relativ laut ist im Gegensatz zum Kühlschrankkompressor). Das beruhigt meine Nerven ungemein. In meinen inzwischen 6 Jahren mit der Vakuumtechnik hatte ich bis jetzt nur einmal ein Problem, das das Flatterventil einer Trockenläuferpumpe so verschmutzt war, dass sie nur minimal Vakuum aufbauen konnte. Aber hier war ich selbst schuld, weil ich die Pumpe anfangs ohne Filter betrieben habe. Inzwischen habe ich die Pumpe meiner Basketballmannschaft als Ballpumpe gesponsert.

- Epoxy im 500ml Becher anmischen und stehen lassen ist was im Winter für Frauen mit kalten Händen. Das wird so schön warm, dass mir schon ein Becher weggeschmolzen ist. Bei größeren Harzansätzen (300g Epoxy & 120g Härter) also auf kleinere Arbeits-Portionen auf mehrere Becher aufteilen, wenn es länger dauern sollte bis der Harzansatz verbraucht wird. 15 Minuten langen schon für eine ordentliche Wärme im Becher.

- Zum Formenbau Kollegen in den Bastelraum locken und als Harzhure missbrauchen. Allein immer wieder Harzansätze mischen dauert einfach seine Zeit. Zu 2. geht es einfach besser.

- Harzansätze schon vorportionieren. Also Harz und Härter separat bereitstellen und bei Bedarf zusammen kippen und mischen. Nicht aus großen Gebinden keine Mengen abmessen. Ich nähere mich beim Harz bis auf ca. -5-2g an mein Zielgewicht. Beim Härter geht es einfacher. Da bin ich bis -3-1g am Zielgewicht. Für den Rest kippe ich mir Harz und Härter in (getrennte) kleine Einwegbecher und nähere mich mit Holzstäbchen Tropfen für Tropfen dem Zielgewicht.

- Egal welches Harz, immer aus dem Rührbecher auskippen in Arbeitsbecher und nochmal kurz mischen. Das verhindert zuverlässig das nicht richtig gemischtes Harz (meistens aus den Ecken des Bodens) verarbeitet wird.

- Ich nutze zum Vermischen von Epoxy einen Schneebesen von einem Küchenmixer in einem Akkuschrauber. Bitte nicht aus der Küche stehlen. Da reagiert die Regierung meist sehr unerfreut. Ich wurde bei einem Sperrmüll fündig. Das rührt aber Luft mit ein so dass das Harz ca. 5 Minuten ruhen sollte, damit die Luftblasen aufsteigen können. Für Formenharz nutze ich einen Knethaken.

- zum Formenbau lieber ein langsameres Harz verwenden als ein schnelleres. Je langsamer das Harz härtet desto geringer bleibt die Temperatur. Das ist mir zum Glück noch nicht passiert, aber man kann diverse Berichte im WWW darüber finden das ein schnelles Harz so heiß geworden ist das es die Urform drunter abgekocht hat. Braucht kein Mensch und viel schneller fertig macht es ein schnell härtendes Harz die Form auch nicht. Alles unter 45 Minuten würde ich schon als schnell bezeichnen. Formenbau braucht Zeit und Geduld!

- Formenharz zu sparsam auf die Nutzfläche auftragen.

- bei dem Pinsel zum Formenharz auftragen die Bosten mit Sekundenkleber fixieren und durchhärten lassen. Nichts ist ärgerlicher als Pinselborsten in der Nutzfläche zu finden. Wenn der Kleber ausgehärtet ist biege ich die Borsten kräftig in alle Richtungen und kontrolliere ob wirklich alle Borsten fest sind. Wenn nicht nochmal paar Tropfen Sekundenkleber nachlegen.

- Gewebehinterbau zu dünn für stabile Formen wählen. Seiten nicht mit hoch laminiert. Poravar Hinterbau zu dünn auslegen. Reine Gewebeformen bei kleineren Teilen und kurzen Rümpfen sind ok. Größere Formen Glasfasergewebe ca. 4+kg/m² am besten mit einer oder mehreren Stützstofflage(n) aus diversen Materialen, wie z.B. 2-4mm Kork Trittschalldämmung, 3D-Corematte usw.. Wenn möglich Kanten mit hoch laminieren. Dabei auf gleichmäßige Höhe und Stärke achten. Blähglas Hinterbau min. 5cm stark einplanen bzw. an der dünnsten Stelle der Form min. 2cm Wandstärke planen.

- Formen nicht ausreichend durchhärten lassen und noch dazu einen Rumpf aus der Form ziehen wollen und ganz schlau ein Brett mit IN den Vakuumsack packen damit der Rumpf grade wird. Nicht bedacht das dadurch die ganze Form auf das Brett grade gedrückt wird und dadurch das die Form nur 2 Tage härten durfte doch noch sehr weich war gab es genau einen Abzug aus der Form. Dann war die Form eine Banane!

- Trennwachs habe ich bei meinen ersten Teilen dick mit einem Pinsel aufgetragen und nicht auspoliert. Hat super getrennt, nur waren überall die Pinselstriche zu sehen. Inzwischen Wachsauftrag nur mit einem Baumwolllappen (altes T-Shirt) der wachsgetränkt in meiner Wachsdose gelagert wird. Wenig Wachs dünn auftragen und sofort in kreisenden Bewegungen verteilen. Nach ca. 10 Minuten mit sanftem Druck auspolieren. NICHT WEGPOLIEREN. Bei neuem Wachsauftrag trage ich inzwischen 3 Schichten hintereinander weg auf wobei ich immer die letzte Schicht etwas stärker auftrage und am nächsten Tag mit Hilfe eines Fönes diese Schicht mit leichtem Druck auspoliere. Dann wieder 2 Schichten hintereinander weg und die 3. wieder über Nacht. Neuen Formen verpasse ich 9x Wachs. Nach jeder Entformung 3 neue dünne Schichten Wachs.

- V-Leitwerk vom RW1: Das war meine erste Form, die ich von Urmodellen abformen durfte. Noch keine Ahnung wie ich genau Formen baue. Also in das Thema eingelesen und dann am Leitwerk mein Erstlingswerk probiert. Die Oberfläche ist gut geworden und die Form mehr als ausreichend biegesteif. Nur draus bauen stellte sich als ein Problem dar… Ich habe da was falsch verstanden mit der Hinterfüllung von Formen. Paar Lagen Gewebe an den Seiten mit hochgezogen wären ausreichend gewesen. Ich versuche die Form noch zu verwenden. Schlecht ist sie ja nicht geworden nur unpraktisch beim Verkleben der Ober und Unter-Schale.

- Formen nicht ausreichend wachsen und trotzdem laminieren. Hinterlässt hässliche Harzpickel, die sehr zeitaufwändig wieder auspoliert werden müssen.

- scharfe Kanten der Formen beim Vakuum ziehen nicht abkleben findet der Vakuumsack meistens nicht so cool. Deshalb lege ich immer ein Stück Teppich mit in den Sack unter die Form. Schont den Sack und verteilt das Vakuum gleichmassig. Auch für Zentrierstifte mache ich das inzwischen, nur da lege ich kleine durchbohrte Sperrholzstücke auf die Dorne und drüber noch einen Fetzen Teppich.

- Falls der Vakuumsack doch mal ein Löchlein bekommen sollte und es noch nicht zu spät ist einfach eine Acryl-Raupe um das Loch ziehen und einen Folienflicken auf die Raupe legen.

- Wenn Formen in einem Rutsch gebaut werden können verzichte ich auf eine Glasfaserschnitzel Kupplungsschicht. Wenn das Formenharz soweit angezogen hat schmiere ich die ganze Form mit Baumwolflocken & etwas Trixo versetztem Epoxy ein. Das ganze nicht zu zäh einstellen. Es soll schön streichbar sein. Feine Kanten lassen sich damit super glätten. Für größere Kanten und Ecken stelle ich die Pampe dicker ein und tue noch etwas Glasfaserschnitzel mit rein. Damit spare ich mir die ersten Lagen feines Gewebe und kann als 1. Lage gleich auf ein um die 100g Gewebe gehen. Die Gefahr Luftblasen zwischen der 1. Lage und dem Formenharz zu haben ist damit so gut wie eliminiert.

- einzelne Gewebelagen bei dem Formenbau immer je 1x 0/90° und 45/45° einlegen. Bei triaxialem 90/45/45° Formenbaugewebe (ca. 1000g/m²) verzichte ich aber darauf. Auf einen symmetrischen Lagenaufbau sollte geachtet werden. Also alles Gewebe wird von fein zu groben Lagen und wieder bis zu den feinen Lagen laminiert. Das Formenharz als Abschluss spare ich mir (bis jetzt ohne Probleme).

- Formenverschraubungen lieber mehr als weniger setzen. Abstand nicht zu groß wählen.

- Zum Bau von Rümpfen, bei dem auflegen der Vakuumfolie alles was schwer und in den Rumpf passt auf die Folie legen damit diese sich gut anschmiegen kann. Das funktioniert bei mir sehr gut.

- Beim Bauen unter Vakuum darauf achten, das wenn mit einer Lochfolie gearbeitet wird, das auch die Folie auf dem Laminat zu liegen kommt. Ich habe es, wie manch anderer auch schon, geschafft die Küchenrollenseite auf das Laminat zu legen. Da lässt sich natürlich nichts mehr entfernen. Da hilft nur noch ausschleifen. Ich klebe die Küchenrolle mit etwas Sprühkleber auf die Lochfolie. Das lässt sich einfacher handhaben als 2 getrennte Schichten.

- Zum Abdichten des Vakuumsacks gibt es diverse Methoden. Ich nutze keinen Schlauch, sondern Folie und dichte rings rum mit Acryl ab. Hat für mich den Vorteil das ich vor allem bei Styroflächen nichts in einen Schlauch schieben muss. Da ist mir immer wieder was verrutscht.

- Als Vakuumschlauch nutze ich einfachen 8mm Plastikschlauch aus dem Baumarkt. Auch bei über -0,9 Bar Vakuum drückt es mir die Schläuche nicht zusammen. Gut & günstig!

- Den Schlauch lege ich einfach auf die Acrylraupe und lege noch eine Raupe drüber. Bis das Vakuum anliegt muss der Schlauch etwas mit Klebeband oder Gewichten fixiert werden damit er nicht rutschen kann. Damit sich der Schlauch nirgends festsaugen kann lege ich das Ende zwischen 2 Lagen Teppich.

- Größere Formen an mehreren Stellen absaugen und die Form auf einen Teppich legen damit sich das Vakuum gleichmäßig verteilen kann. Wenn die Form nicht in einen Sack gesteckt wird sondern nur eine Folie auf die Form geklebt wird sorge ich mit dünnen (ca. 10mm breit) Teppichstreifen für eine gute Verteilung bzw. einen guten Anschluss an den auf das Laminat gelegten Breather (Lochfolie und Küchenrolle)

Für weitere Anregungen wieso, weshalb und mach das bloß nicht so weil... würde ich mich sehr freuen.
Grüße
ULF

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